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STATEMENTS
Carola Willbrand
Der Gegenstand
meiner Arbeit ist der "Behälter". Der Behälter ist ein massiver Körper mit
einem Loch darin - eine Vase zum Beispiel. Das ist eine jedermann bekannte Form in der
ganzen Welt, seit langer Zeit. Unabhängig davon welche Kultur oder in welchem Teil der
Welt - Asien, Afrika, Europa - die menschliche Rasse hat sehr ähnliche Behälter um ihre
Nahrung aufzubewahren, am Anfang der Menschheitsgeschichte - der Behälter - die erste
Skulptur.
Diese Behälter, die ich mache, haben massive Körper mit einem Loch
darin, aber ihre Substanz ist nicht Material, es ist Geist und Raum "skulpturalen
Denkens".
Der Stoff aus dem ich die Behälter baue, Tuch, Gewebe (meistens
getragene Sachen von meiner Familie, meinen Freunden); ich sehe die Form und fixiere sie
mit Leim.
In der Performance zeige ich die Beziehung zwischen Behälter und dem
menschlichen Körper. Ich lege meinen Kopf, meine Hand, meinen Fuß hinein. Ich zeige die
Skulptur dem Publikum, und manchmal, wenn das Publikum sehr still ist, können sie ein
kleines Geräusch hören...
Stephan Us
Ich sitze in der Raummitte auf einem Stuhl, bekleidet mit einem
schwarzen Anzug, tiefe, erdige Töne auf dem Didgereedoo spielend. In einer Schale aus
Lilienblättem liegt ein toter Sperling. Das Publikum tritt ein, versammelt sich, verteilt
sich im Raum. Zu dem Zeitpunkt der Beruhigung im Raun beginne ich langsam, höhere Töne
zu spielen. Ganz langsam übenimmt ein Trillern und Pfeifen den Klangraum. Stille. Lege
das Didgereedo in seiner Stellung an den Stuhl und gehe in die Hocke vor dem Vogel. Ich
pfeife und triller zu dem Vogel, nehme ihn auf, umhülle ihn mit meinen Händen, so dass
sein Kopf nach vorne aus meinen Handflächen schaut. Gehe pfeifend in die Körperhaltung
eines Vogels und bewege mich stehend dergleichen. Richte mich auf und gehe Richtung Osten,
pfeifend, trillernd Richtung Süden, Richtung Westen, immer bis an die Grenze des Raumes.
Der Vogel als führende Kraft. Der Vogel tastet den Raum ab. Ich bin sein Medium, sein
Bewegendes. Der Vogel tritt mit"seinem" Pfeifen mit dem Publikum in Kontakt,
versucht Dialoge zu führen. Bewegt sich auf und ab, schnell, hektisch, wieder langsam
durch das Publikum und tritt immer wieder in Kontakt. Der tastet regelmässig die Grenzen
des Raumes ab, bis er irgendwann den Ausgang findet. Der schreitet hinaus Richtung Norden.
Ich lege den Vogel auf den Boden, grabe ein Erdloch, lege ihn hinein und bedecke ihn mit
Laub und Erde. Ich hocke. Mit den Worten "flieg, flieg" richte ich mich auf,
Laub in die Lüfte werfend.
November 1994
Klara Schilliger / Valerian Maly
Klara Schilliger, geboren 1953 in Sursee, lebt in Köln
Modern Dance Studium bei Roni Segal Bern
Seit 1980 Performances, Installationen, Videoarbeiten, Solo-Tanzperformances und
Choreografien in wechselnden Besetzungen
Valerian Maly, geboren 1959 in Tübingen, lebt in Köln, Musikstudium am
Konservatorium Luzern
Seit 1981 Performance Installationen, Videoarbeiten u.a. 1982 Einzelausstellung
Kunstmuseum Luzern
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts erforschte der englische Arzt William
Harvey, Leibarzt Karls 1., die Blutzirkulation. Er erkannte, dass das Herz eine Pumpe ist
und nicht der Herd zeitgenössischer Metaphorik. Seine Entdeckung wurde kritisiert
vornehmlich seine Behauptung, dass der Herzschlag so deutlich zu hören sei, dass man ihn
mit einem schnaufenden Pferd vergleichen könne. Ein venezianischer Geldgeber empfand dies
als völlig absurd, da jedenfalls niemand je einen Herzschlag gehört hatte. Noch hatten
dies die übrigen europäischen Physiker. Vor Harvey war das Herz medizinisch unhörbar.
Harvey konnte das Herz nur hören, weil er es sehen konnte. Harvey benötigte 25 Jahre, um
das Herz zu hören, d.h. es zu sehen, wie es tatsächlich war.
Inge Broska
Stellungnahme zur Performance
Meine "praktische" sichtbare und organisatorische Kunstproduktion hat sich im
Laufe der Zeit zuweilen etwas erschöpft. Dabei fielen Skulpturen vom Sockel und Bilder
von der Wand etc. Der Platz für die Aufbewahrung der bildenden Kunst reduzierte sich
naturgemäß ebenfalls. Die ephemere Kunst nahm mehr Raum ein. Die Reduzierung der
Requisiten und Materialien für Performance macht es möglich, auch an ungewöhnlichen
Orten zu ungewöhnlichen Zeiten zu performen.
Meine Hilfsmittel sind meist Alltagsgegenstände, die mehr oder weniger leicht zu
organisieren sind. Themen und Inhalte sowie die Art der Darstellung sind von mir
gesellschaftskritisch konzipiert. Das schließt Information, Provokation, Verunsicherung
und Unterhaltung mit ein. Dabei ist ein ggf unerträgliches Maß an Selbstdarstellung und
Klamauk für mich legitim. Ich möchte einem Publikum Anliegen, die mir wichtig sind
nahebringen.
Die Zusammenarbeit mit anderen Performern und Performerinnen ist ein unverzichtbarer
Aspekt meiner Arbeit - ebenso anregend wie lustvoll. Nach Möglichkeit plane ich meine
Performances intensiv, denn so bleibt mir viel Freiraum für Improvisation und spontane
Reaktion auf einen Ort, andere Künstler, Künstlerinnen oder Publikum. Immer
wiederkehrende Themen bei meinen Performances sind: Haushälterische Empfehlungen,
solidarisches Fernsehen, Kunstbetrieb, Hausmuseum Otzenrath, Tagebau - besonders
Garzweiler.
Chien Chieh-Jen
Ich kann nicht aufhören diese Fotografien anonymer Menschen anzuschauen
gefoltert, hingerichtet. Es scheint, daß man hinter diesen Bildern eine andere Schicht
von Bild und ungesagten , versteckten Wörtern aufdecken kann.
Es scheint, daß da ein anderes Gesicht auftaucht von dem verschwommenen, schwachen
Gesicht; ein anderer zitternden, unbefestigter Körper scheint von und überschneidend auf
den festen Körper. Im Gefängnis der Zeit treiben Bilder manchmal endlos.
In der Trance, diese fotografischen Bilder anzuschauen habe ich mich oft selbst gesehen
als ein Opfer, oder ein Verfolger, oder ein Mitwirkender in den Fotografien.
Wenn ich diese historischen fotografischen Bilder betrachte, finde ich, daß die
Vergangenheit auf mich zurückschaut. In dem Moment sieht die Vergangenheit auf die
Gegenwart und schaut auf die Zukunft durch mein Betrachten.
Wenn die Vergangenheit durch die Kameralinse blickt, auf den Fotografen hinter der Kamera
und in die Zukunft schaut, wird der Fotograf das Rätsel im Schnittpunkt des Gegenseitigen
Betrachtens.
Und verwickelt nicht unsere Betrachtung vom Blickpunkt des Zuschauers aus alles Betrachten
in das Labyrinth der Wahrnehmung.
Die Geschichten, die mich am meisten interessieren, sind die Geschichten, die von der
anerkannten Macht ausgeschlossen werden, d.h. die Geschichten ausserhalb der Geschichte,
die Geschichten, die im Reich der Ekstase überlebt haben, die Geschichten, die wie die
Lücke zwischen den Wörten sind, die Geschichten, die im Nebel verborgen sind, die
Geschichten, die unsere Sprache durchdrungen haben, den Körper, die Wünsche und den
Geschmack.
Ric Allsopp, GB
Meine Performance-Arbeit ist hauptsächlich Zusammenarbeit und
wesentlich vergänglich - Arbeiten mit erweiterten Ideen des Schreibens, mit
Improvisation, mit Leben - in seiner Form und Bedeutung abhängig von den Umständen der
einzelnen Aufführung und (oft) von dem Input/Energie der Beteiligten
(Publikum/Performer).
Was wichtig ist, ist der Versuch etwas zusammen zu machen, ein "etwas", das man
Performance nennen könnte das die schöpferische Anstrengung von einer oder mehreren
Personen (Da ist immer mehr als einer) zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort
einbezieht; das etwas heraufbeschwört, was nicht gänzlich vorhergesagt werden kann; das
in dem einen oder anderen Sinne ein Eigenleben hat, ein Leben, das eine Phantasiewelt
liefern kann und wird; beunruhigende und auch erneuernde Energie für teilnehmenden
Personen (als Zuschauer oder Mitwirkende der Performance) ein Leben, das dem Feuer
ähnlich sich völlig von den größeren umgebenden Realitäten unterscheidet und das
seine eigene sichtbare Erinnerungsspur erschafft und schreibt.
Stuart Brisley
Meine Performances sind gekennzeichnet durch die intuitive
Einleitung eines fruchtbaren Prozesses, der eine Art von Befreiung vom Zwang des
gesellschaftlichen Lebens auslöst. Es ist nicht spielen wie im herkömmlichen
Theater, nicht das Interpretieren einer Rolle in Übereinstimmung mit vorbestimmten
Bedingungen, d.h. in Übereinstimmung mit einem Drehbuch etc., sondern mehr - obwohl nicht
völlig - das Durchführen als Aufgabe.(Falsch!)
Einer der Effekte ist das Ersetzen des öffentlichen Selbstbewußtseins des Performers
durch sein unmittelbares Selbst zu veranlassen; nicht als Ziel in sich selbst, sondern als
Teil des befreienden Prozesses für den Performer. Es verwandelt die Handlung des
Performers, und in der "imagination experience" des Publikums, der Teilnehmer
und Zuschauer.
Es geschieht dem Performer, der der Auslöser dafür ist es anderen geschehen zu lassen,
aber es passiert nicht, wenn nicht andere da sind. (Bei Abwesenheit von Publikum weist die
Anwesenheit einer Kamera auf potentielles zukünftiges Publikum). Was dem Performer
geschieht wird vom Publikum erfahren als eine Reflexion dessen, was dem Performer
geschieht. Sie teilen eine gemeinsame Erfahrung auf unterschiedliche Weise, einer durch
den anderen.
Februar 2000
Günfer Cölgecen
Die Ausgangssituation der Performance ist es, an einem konkreten Ort
handeln zu wollen. Der Ort ist immer ein - auch - architektonischer und
kulturell beschriebener am Schnittpunkt einer Zeit. Das "auch" ist der
Statthalter meines Denkens. Das Performative Handeln dann konfrontiert unmittelbar
mit dieser Situation. - Über und mit dem Körper füge ich zusammen, was auseinander
gefallen war, vor einer Zeit, vor Jahrzenten, morgen. Licht Haut Stimme Die Physik des
Raums Die Physik des Körpers Bewegung und Resonanz Der Text ist einer des wirklichen
Ortes, an dem ich bin, oder ich bin nicht. (Text: A. Klopotek)
Petra Deus
Stoff und Performance.
Mein Instrument ist in erster Linie der Leib als Mittel der Mitteilung und des Empfangens
und Empfindens.
Was mich bewegt und was ich bewegen muß und bewegen will, sind Empfindungen, Symbole,
innere und äußere Bilder, Seins- und Seelenzustände, existentielle Fragen, die ich in
Form bringe. Vielfach aus der Not geboren suche ich mit den Performance-Arbeiten
Lebendigkeit, lebbare Verrücktheiten, Fluß, Dialog, Gleichgewicht, innere Freiheit.
Ich mag den Rahmen der Performance-Veranstaltung auch wegen des Publikums - hier entsteht
manchmal ein Kontakt, der mich fasziniert. Ich nehme dabei einzelne Menschen sehr intensiv
wahr - es entsteht etwas Gegen-seitiges, Be-teiligtes, Teilendes, Unmittelbares, - eine
Öffnung.
Ich suche immer eine bestimmte Präsenz und Kraft in meinen bewegten Bildern, die mit
Innen- und Außenraum-Wahrnehmung zu tun haben.
Theresa Drache
Umgeben von Objekten und Gegenständen des Alltags - Chaos!
Der Fundus beflügelt die Phantasie, Konzentration - zentrieren
Dinge erzählen ihre Geschichte, das Spiel beginnt - Magie?
Handlung in Zeit und Raum kreist um das gemeinsame" Erfinden einer Neuen
Ist der Betrachter dabei sogar der Dritte im Bunde?
Rolf Hinterecker
Für die Entwicklung einer Arbeit ist der, zumeist selbst gewählte
Ort der Handlung, ein wichtiger Bestandteil. Er sensibilisiert und schafft die
Grundspannung für den geplanten Energietransfer. Die Vorbereitung des
Environments - ohne Publikum - ist für mich selbst bereits von Bedeutung. In gewisser
Weise erzähle ich "Geschichten" ...wobei ich diesen Begriff nur sehr ungern
verwende. Eine Arbeit wird nie ein zweites mal aufgeführt. Es gibt jedoch Elemente, die
ähnliche Materialien, modifiziert und wieder eingesetzt werden können.
Der manchmal komplexe Ablauf und die sinnliche Umsetzung sind Teil meiner
österreichischen Herkunft mit ihrem reichen kulturellen Heritage, den
"Farben" Slawiens und dem mediteranen Südeuropa.
Inhaltlicher Schwerpunkt sind meist Ängste um die Würde des Menschen im Wahn
(schwere Epilepsie / später Alzheimer der Mutter). Hierbei ist es weniger der Wahnsinn
selbst, der mir, im Gegenteil, eher vertraut daher kommt, sondern die Angst vor der
Masse Mensch, den Interventionen der Gesellschaft und ihren Vertretern den
Wissenschaftlern. Versprechen sie uns Heilung von unserer Andersartigkeit (z.B. durch
Genmanipulation) so beunruhigt mich auch das angestrebte Ziel einer gesunden
Menschheit.
Die Teilnahme an zahlreichen - teils schamanistischen - Ritualen in den
Philippinen, Sumatra/Indonesien, Nordthailand und zahlreichen anderen Ländern war neben
den ethnologischen Feldstudien ein Sammeln solcher Arbeitspraktiken. Hierbei
interessierten mich hauptsächlich die Arbeitsweisen der Akteure im Umgang mit ihrem
Publikum. Neben psychologischen und suggestiven
Beeinflussungen, über Illusion, bis hin zur Nichtbeachtung
entdeckte ich eine unvorstellbare Bandbreite.
Künstlerische Einflüsse stammen von Beuys mit seinen Arbeiten und in gewisser Weise als
Gegenpol aus der Fluxusbewegung, zu der persönliche Freundschaften bestehen. Die
Teilnahme an diversen Aktionen lehrten mich oft eine intelligente, globale Sicht der meist
gesellschaftskritischen Arbeiten. Vor allen Dingen wie einige mit sensiblem
hintergründigem Humor die Gradwanderung der Offenbarung eines Performers beschützen
mögen. Theatralisch ausgedrückt
"Sich geben - opfern, ohne Mitleid zu erheischen oder zu sterben"
10.02.2000
Siglinde Kallnbach
geboren 1956 in Neustädtges/Tann (Rhön), lebt heute in Berlin und Köln
1976 - 83 Studium an der HbK/GHK Kassel/Universität des Landes Hessen mit
einem"Academic Year" (1977/78) an der Auckland University, Neuseeland
1978 erste Performances in Neuseeland und Australien
Materialien, Medien, Methoden
Feuer, Asche, Wachs, Farben; eigener Körper, eigene Stimme, Schreie; konzeptueller
Ablauf, jedoch eingehen auf die situative Gegebenheit."
(S.K.), (Frauenmuseum Bonn 1995)
Knopp Ferro
Abmachungen:
Die Person A lebt in der Vergangenheit.
Die Person B lebt in der Zukunft.
Der Versuch die Zeitlichkeit aufzuheben, sich immer wieder von der Last der Vergangenheit
und den Verpflichtungen und Hoffnungen der Zukunft zu distanzieren.
Kein einziges Lebensmoment darf für einen mehr Bedeutung haben, als daß man es
jeden Augenblick, wo man will, vergessen kann; jedes einzelne Lebensmoment muß
andererseits so viel Bedeutung für einen haben, daß man jeden Augenblick seiner Sich
erinnern kann." Sören Kierkegaard
Hayley Newman
Die Londonerin hat in den letzten fünf Jahren ein Oeuvre
geschaffen, daß es uns ermöglicht, die Begriffe Kunst und Medien in einem neuen
Zusammenhang zu verstehen. Dabei hat Hayley Newman mit sogenannter Medienkunst"
nichts oder wenig zu tun. Sie kommt eigentlich von einem tradierten Verständnis
zeitgenössischer Kunst in der Nachfolge von Fluxus, Happening und Performance - und
Konzeptkunst der 70er Jahre - allerdings ohne den tierischen Ernst und technologisch
aufgerüstet. Nach Abschluß ihres Studiums in London holte sie sich mittels eines
DAAD-Stipendiums bei einem einjährigen Aufenthalt in Hamburg bei Marina Abramovic
sozusagen die "höheren Performance-Weihen" des kontinentaleuropäischen
Kunstkontextes. Seither begann sie anhand verschiedener Serien und Themen ihren eigenen
Stil zu entwickeln. Eine der Obsessionen, zu denen sie immer wieder zurückkehrt, ist die
Verbindung von Performance und Musik.
Hayley Newman besteht auf einem künstlerisch autonomen Forschungsprozeß und verweigert
sich den gängigen Erfolgsmaschen. Einladungen zu Performances erhält sie zwar viele,
doch sie will "keinen Mist produzieren", sich nicht selbst wiederholen. Deshalb
legt sie eine Denkpause ein, um ihren Standpunkt nach fünf ereignisreichen Jahren neu zu
evaluieren. Als Medium dazu dient das Schreiben einer Doktorarbeit.
Armin Medosch, 16.12.99
Parzival
PerFORMance
Eine FORM die FORM sucht um FORM zu werden
Eine FORM die als FORM keine FORM ist
Eine FORM die der FORM als FORM widerstrebt
Eine FORM um FORM keine FORM zu geben
Eine FORM die nie FORM über FORM stellt
Eine FORM deren FORM deren FORM ist
Eine FORM ohne FORM zur FORM
Eine FORM zwischen FORM nach FORM
Eine FORM die in ihrer FORM keiner FORM gleicht
Eine FORM die als FORM die FORM überwindet
by Parzival, Köln 2000
Andrea Saemann
1962 geboren
1983 - 86 Architekturstudium ETH Zürich
1986 - 88 Parisaufenthalt (Ecole Lecoq, Ecole Philippe Gaullier)
1989 - 94 Hochschule für Bildende Künste Hamburg
arbeitet und lebt in Basel
nun mache ich Performance
ursprünglich studierte ich architektur, später bühnenbild
ich arbeite visuell
oft unter einsatz verschiedener medien
und:
ich arbeite verbal
ich arbeite vor allem verbal
(ich weiss dass ich mit worten zu verändern bin)
ich liebe laurie anderson
ich liebe ernst jandl und gertrude stein
ich liebe es dasselbe immer wieder neu zu sagen
und ich liebe die spannung zwischen dem verbalen konzept
und der ausgeführten handlung
oder:
ich bespreche das wort (mund) in seiner noch
nicht handelnden (hand) wirksamkeit
vom mund in die hand leben
Tauchert
Nach einem Krieg sich auf der Siegerseite zu befinden, macht es auch
bald überflüssig, Kriege noch zu Friedenseinsätzen zu verdrehen und dadurch
rechtfertigen zu wollen. Der Erfolg gibt recht - das reicht. Wenn Politiker Geld nehmen,
stört sich niemand daran, für welchen Zweck sie soviel Geld verwenden. Die spannende
Frage, ob es legal zuging, erschlägt die Sache gänzlich. Wird der Lebensstandard der
Massen gesenkt, dann sollen die Betroffenen an einen naturartigen Sachzwang glauben.
Politik, also auch das, was mit einem praktisch angestellt wird, bleibt in der Kunst als
Thema so gut wie ausgeschlossen, als gäbe es eine unausgesprochene Vereinbarung darüber.
Auch Performance ist meistens darüber hinweg, sich mit politischen Themen zu
beschäftigen. Dabei wäre Performance ausgezeichnet geeignet, Sachen klarzustellen, zu
agitieren, Kritik zu üben.
Mein Interesse an Performance, einem kurzen Auftritt vor Publikum, geht dahin, bestimmte
Themen zu entmythisieren. Zum Beispiel die rätselhafte Sache mit der Ausbeutung: Gibt es
denn nun Ausbeutung oder nicht? Ein Thema, wie der idiotische Börsenzirkus, liegt zum
Greifen nahe. Es sind fast nur Kabaretts, die politische Themen aufgreifen. Diese Kunst
steht aber unter dem Zwang sein Publikum unbedingt, dafür hat es schließlich bezahlt,
zum Lachen bringen zu müssen, auch da, wo es nichts zu lachen gibt. |