BORIS NIESLONY
PERFORMANCE

Die Sprache ist ein Labyrinth von Wegen.
Du kommst von einer Seite und kennst Dich aus,
Du kommst von einer anderen Seite zur selben Stelle
und kennst Dich nicht mehr aus.

(Philosophische Untersuchungen)
L.Wittgenstein

Der Schein , die gesellschaftliche Kommunikation ansich, oszilliert zwischen totaler Leistung und totalem Wert, die Gravitation zwischen den beiden Polen des Begriffs:

P E R F O R M A N C E

Neben all den Möglichkeiten, die sich Performanz zur Äußerung sucht , hat die bewußt hergestellte Öffentlichkeit von Aufführung sehr tradierte Formen , die dem kulturellen Spiegel einer Gesellschaft entspricht. Aufführung bedingt die Trennung von Aufführenden und Aufnehmenden. Menschliche Handlung zielt auf Wirkung und Übertragung (Mimesis). Wieweit die Trennung zurückgenommen werden kann , zeigt die künstlerische Intention jeglicher Performance. Das parallele Bündeln von Energie , das Ermöglichen der Begegnung von Raum und Zeit in dieser Bündelung von Energie und die Analogschaltung des Publikums in die gleiche Bündelung der Energie ist eine der Intentionen von BLACK MARKET INTERNATIONAL .
Die erscheinenden Bildbewegungen ( Denkbewegungen ) sind den tradierten Bildvorstellungen der abendländischen Kultur verhaftet, was der (im Grunde unvorstellbaren) Geschichte von Bildwerdung entspricht (siehe W.Benjamin: Passagenwerk).
Implizite Intention von Performance aus dem Kunstbereich heraus (Grundsätzliches über Dialektik, das Implizite) , der Kunstbereich kann nicht verlassen werden, daraus folgernd :

D a s I n t e r d i s z i p l i n ä r e

(Sprachlich schon sehr früh ist Performanz als formgebend und leistungsbringend , im Gegensatz dazu: pro forma, im anthropologischen und ethnologischem Bereich aufgetreten.)

Öffentlichkeit , Handlung , Wirkung und Übertragung sind der Stoff aus dem sich Intentionen schälen.

Die Intention , die den temporären Kunstbereich verlassen , kulturbildend und gesellschaftsbildend wirkt und veränderte Formen (Performance als Modell) der Kunst bewirkt, diese Intention ist das Interdisziplinäre .
Im Interdisziplinären gehen Leistung - Wirkung - Veröffentlichung und Wertsetzung einen interaktiven Prozeß ein . Hardware und Software sind Werte des Gleichzeitigen wie Netzwerk und Vernetzung .
Die Performance geschieht nicht nur in der Begegnung von Raum und Zeit durch die Konstruktionen , die von Mensch vorbereitet die Begegnung ermöglicht , sondern alle Dinge , Lebendes , Eigenschaften u.s.w. , all dies mit ihren Werten (Monaden) ermöglichen nichtberechenbare und unvorstellbare Begegnungen (Chaostheorie , Dienstleistungsindustrie).
Eine Konstruktion für diese Intention ist ASA (Art Service Association). Als nichtdefinierbare Gruppierung verschiedener Personen, Institutionen, Dinge, Leistungsangebote mit ihren Wertevorstellungen und ist nur aktiv, wenn dieses Serviceangebot gefordert und energetisch als Performance erscheint.

26. 12. 19 93
Dem inflationär sich ausbreitenden Begriff der Performance ein kritisches Instrumentarium entwickeln. Da ich Performance als Handlung (Ereignis) in einem Bildraum einfasse (siehe Bilddefinition), von ihr gespeist wird, ist die Bildsprache an sich, die die verschiedensten Medien frei verfügbar hat. (Franklin Aalders : Performance ist Leben, worauf ein Medium gerichtet ist.)

Es ist davon auszugehen, das jedes erkennende Wesen auf irgendeinen spezifischen Punkt von irgendwie gearteter Wirklichkeit sein Augenmerk richtet. Das Richten des Augenmerks geschieht mittels eines Instrumentariums, das ein Medium ist.
Das Spektrum der Medien ist von Intention, Wille, Begehren auf der einen Seite über jede Form von Werkzeug, elektronischem Gerät und Maschinen bis hin zu jedem Diskurs über Wirkung, Öffentlichkeit oder Macht.

Konstruktion aus Fakten, Konstruktion unter völliger Eliminierung der Theorie.

Was in der Performance verhandelt wird, sind Andenken.
Das " Andenken " ist die Form der Ware aus der Performanz.

In der Öde des 20. Jahrhunderts ist die Ware die einzige Lebenssphäre, in der sich der Mensch in der Mitte einer Sache bewegt (Passagenwerk Band II, X Marx).

Die Sache der "Gewalt" in der Performance untersuchen.
Gewalt, sich seiner mächtig sein.
Gewalt als Spiel.
Gewalt als revolutinärer Terrorismus des Bürgers, als Tarnung der bürgerlichen Elemente in der Bohème.
(Passagen Seite 1206 - 1223).

Machenschaft des Selbermachens:
Könnte eine Theorie der Performance als oszillierende Vorstellung in dem Raum zwischen den
Handlungen, zwischen den Begriffen sein ?

In-Form, informativ, in Form,
per Form, Information,
pro Forma,
formalistische, formatieren,

Formation, In Formation, Formelhaft, Formel-Haft,
Nomaden der Form.

Andenken des Problems einer strategischen Ästhetik.

Vorstellung eines riesigen Sees, zugefroren, äußerst nebelig. Immer wieder tauchen Schlittschuhläufer aus dem Nebel auf, in der Begegnung werden die treffensten Aussagen über den gemacht, dem man eben begegnet. Nietzsche trifft Hitler. Freud trifft W.Benjamin. etc.

Die einzig würdige Haltung der Kritik gegenüber der Kunst sollte die Zurückhaltung sein.

Wenn der Mensch nur räumlich ist, wird er immer wieder zeitlos in einem Raum stehen.

Performance: Der Raum zwischen dem Verlust wirklicher Erfahrung aus einer, seiner sich mächtigen Handlung und ihrer negierenden Projektion.

Verbrauch an Leben ist Denken.
Was ist die Qualität eines Werkes, das nicht von einer Person gemacht werden kann ?

Der spannungslose Unterschied zwischen Erkenntnis und Ästhetik.
Der Bewegungsmoment der Ästhetik ist nivellierend, ist
Design .

Daß die Bilder, die "Das Bild " sind aus den Zeiten, die man "Davor" und "Danach" nennt uns dazu bringen, mit Ihnen in Bildern zu kommunizieren

Eine Phänomenologie der Performance Art würde Bilder und Verhaltensweisen strukturieren, die eine Sprache der Performance Art aufzeigen könnte.
Ausgehend von Bildern, z.B. der hängende Mensch oder der nackte Mensch kann festgestellt werden, wo dieses Bild den Blick freigibt für das Bild dahinter, das Bild im Hintergrund, der dann diese Handlung aus der Handlung in die Performance überführt.
Im Sinne von Wert , ein Untersuchungsvorgang.
Februar - September 1994

Bei den Zersplitterungen und Entschichtungen der Künste sollen die Bedeutungsebenen in das Freischweben gebracht werden, bei ASA als Wertetransfer behandelt.
Das Werk: Bei vielen Künstlern/Innen steht die Performance am Anfang ihrer Betrachtungen, ist Methode der Betrachtung. Selten gelingt es ihnen diese Methode als Werk zu bilden.

Es gibt immer Referenzwissenschaften für ästhetische Produkte, für literarische Diskurse. Diese wandeln sich, kein Ding sei, wo das Wort gebricht. Imperativ.

Die Geistesschwäche in dem Begriff " Erweiterung ". Wer erweitern will, verkennt die Unfähigkeit überhaupt Weite zu sehen. Präzise vereinzeln, Grenzen ziehen als große Unterscheidung.

In den Künsten kann Performance geschehen, umgekehrt nicht.

Körper benötigen keine Gerechtigkeit, das Einverleiben von Symbolen. Das Unerbittliche der Wirklichkeit.

Authentizität ist ein reaktionäres Ideal, der Maßstab für Herkunft, ein Anti-Ideal.
Es besagt, was gewesen ist, muß sein. Götzendienst an den Ursprüngen. (Autor mir unbekannt)
Das Ich wird Festung, der Wahnsinn ist Methode.

Der Performer als Schwellenkundiger. The daily life plots, Aufbau und Abwicklung einer Handlung der Nullstrategie.

"Performance is putting experience into circulation" : (Victor Turner, Ritual-Struktur-Antiritual)

Im Performancekünstler ist ein Phänomen unerläßlich: In ihm muß sich Erfahrung, Erkenntnis so verdichten, daß er ökonomisch und in der rechten Wahl des Mediums das Werk ausführt.

Nachdem der Performer das Hier erwirkt, schreitet der Betrachter gleichzeitig dazu, sich in das Jetzt zu entrücken (Entrückt sich der Betrachter in das Jetzt, geschieht die Performance als Geistesgegenwart).

Neue Medien (Materialien machen alte nicht obsolet, sie weisen ihnen andere Systemplätze zu.)

Durch die Stilfrage und die des Personenkults wird ein freies Auge und der freie Umgang verstellt.
Nicht das Aufbrechen einer Regel, seine Überschreitung ist das Ungeheure, sondern das nicht auftreten, das einfach nicht vorhanden sein, die Nichtexistenz der Regel.

In der Weise, wie sich die Schrift verräumlichte, verkörperte sich die Rede.

Entkoppelung von Zusammenhängen durch Ausdifferenzierung.
Entkopplung von Persönlichkeit und Werk durch Ausdifferenzierung.

Wenn Erinnerung aus einem Bezugsrahmen gelöst und ortlos wird, kann man für sich Erkenntnis einer anderen Form von Raum entwickeln, die für ein Gegenüber erschreckende Ausdrucksformen haben kann.

Zu den konstitutiven Eigenschaften performancegetragener Kunstwerke gehört das Monologische.

Wenn man sich der Performance mit einem bestimmten Ziel nähert, kann man sich selbst nicht wahrnehmen.

Der Performer, ein Sachverhaltsdarsteller.
(eine Sache wird öffentlich dargestellt)
Dem inflatinärem Performance-Begriff ein kritisches Instrumentarium zur Seite stellen.

Da ich als "Performance" nur bezeichne, was auch einen Bild-Raum und eine verlaufende Zeit umfaßt, ist Performance an verschiedenste Medien gebunden und übt Gravitation auf sie aus.

Wenn ein Betrachter gezwungen ist, eine Performance über einen Längeren Zeit-Raum anzuschauen und ihm dies nicht genehm wird, dann...... ?
Welche Faktoren spielen hier welche Rolle?
Wie ist die ästhetische Zuwendung zu gestalten, ohne daß die künstlerische Form verändert wird?
Muß beides anders gedacht werden ?
Es gilt den Zeitfaktor und die Struktur zu untersuchen.

Das Verhältnis Verbindlichkeit - Befindlichkeit
höhere Distanz in der Gravitation des Begehrens

Das lebende Zeichen im Raum ist immer Beschwörung, heilige Schaustellung.
Butoh: der Kampf mit den unsichtbaren Dingen in meinem Körper.
Wenn von Mythos und Ritualen die Rede ist, so gehören diese Formeln, meine ich, dem Theater, dem Tanz an, und alles was sich dazu gegenläufig verhält macht das Geheimnis der Performance aus.

Experimente machen verborgene Vorgänge deutlich. Die Überführung von magischen Praktiken zu Wissenschaftlichen entspricht der Übergang von der Schaulust (Betrachtung) zum Spektakel.

Gesang: Meine Weise ist meine Sache, sonst nichts, Späne.

Das kollektive Gedächtnis äußert sich vor allem in formellen und informellen Ritualen.
Erinnerung an Figuren und Krisen.
Genuß und Leidenschaft als Bindungskräfte.
Kann der Mensch als empirisches Wesen denken ?
Denken als transzendente Ziellosigkeit (Intransitivum), wie Gehen ein Empirisches ?

Gehen:
Wer sich beim Gehen
an etwas erinnert,
verlangsamt seinen Schritt
Wer etwas Unangenehmes
vergessen will,
beschleunigt ihn

(Milan Kundera)

Themen (Themen ?) in der Performance Art:
Transit-Räume,
Provisorische Beschäftigungen
(Spuren 45, S 68,69)

Mit was ragen wir in das Bild ?

Mimesis der Verrichtung

Wir sind durch unsere Leiblichkeit, letzten Endes, am unmittelbarsten durch unseren Leib in die Wahrnehmungswelt, eine der höchsten Sprachschichten, hineingestellt.
W.Benjamin

Die Erkenntnis, daß die erste Materie, an der sich mimetisches Vermögen versucht, der menschliche Körper ist, wäre mit grösserem Nachdruck, als es bisher geschehen ist, für die Urgeschichte der Künste fruchtbar zu machen.
Fr. 98 / W.Benjamin

Das Authentische, das authentisch Falsche als rituelle Form des echten Lebens.
Erkenntisvorgänge, die sich in Bild, Wort oder durch andere Sinne an einem bestimmbaren Ort und in einer bestimmbaren Zeit äußern, sind Gegenstand möglicher Theorie.

Aber nicht nur die Zeit ballt den Ritus zusammen.
Das Alltägliche zum Symbol erhöhen heißt, Fremd werden, dem Gegenstand fremd werden.

Begriffe, Wörter bis in das letzte Bild ernst nehmen, deren Stimme hören, angefallen werden.
(Krumm ist die Stufenleiter der Größe)

Theoretische Gewissheit ist einzig im Handgebrauch fundiert.

Aktionen mit bewußtseinserweiternden Absichten stoßen auf erschreckend aggressive Ablehnung der Öffentlichkeit.
Was verhindert dann das Entertainment, das Spektrum dieser Auftritte? Spektakel?
z.B. Fura del Baus, der Krimi zu den besten Sendezeiten.
Zu den Ritualgedanken von J.L.Schröder
Die Mechanik ist in den Rissen zwischen den Fetischen.

3 (4?) Strukturen von Ritual/ANALOG/ Struktur der Netzwerke

a ) Jahreszeiten - Natürliche Gegebenheit
b ) Gesellschaft - Weltsicht
c ) Initiation - Gegenwärtig-Sein
d ) Schwebender Transfer

Daß die Idee von Performance nicht einem vorgegebenem Muster entspricht, sondern nichts anderes ist, als die erst in seiner Aufführung evident werdende Regel.
Das A-mimetische ansich (Wiederholbar oder nicht?).
Die Kunst, Tatsachen ins Werk zu setzen, Tatsachen im Werk setzen.
(Neue) Formen schaffen, indem man ihnen die Intensität des Realen verleiht.


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