E. P. I. 
Zentrum
Europäisches Performance Institut

Aus dem "Das Anthropognostische Tafelgeschirr

Handeln:

 
Hand. Die Kunst des Handeln. ASA. Aktion. Intervention. Magie. 
Als Aktionist das Handeln primär narzisstisch. Der Mensch ist im Grunde ein Handelnder - die skandalöse Kontingenz des Bedeutungslosen: wir sind nicht gemeint. Handeln heißt Tatsachen schaffen, eine Welt realisieren, Werte begründen ohne Relationen. Suspendierung von Ethik (?)Vita Activa. Verschiedene Typen des Handelns: Anfangen, Praktiken, Taktiken, Strategien, Infamie, poetisches Handeln, symbolisch. 


Das Handeln nicht aus Wissen oder als "Können" sondern aus der Intention (Fähigkeit, Gabe, Haltung) geschieht 

Die elfte Performance Art Konferenz reiht sich ein in die Idee, zentrale Frage in den darstellenden Künsten, insbesondere der Performance Art und des Theaters in Praxis und Theorie zu untersuchen, sie in die Handhabe zu nehmen. 

Für diese Konferenz steht die 'Kunst des Handelns' zur Disposition. Im ersten Anschein mag es absonderlich sein genau jenen Faktor 'die generelle Aktivität' zum Gegenstand der Betrachtung zu erheben, der wie selbstverständlich allen Aktivitäten innewohnt und die Angelegenheiten zwischen den Menschen regelt. 
Nun liegt aber genau da der Augenmerk: mit was und wie erhebt sich der Mensch aus der scheinbar blinden Aktivität zur Weltsicht, zur Geste der Aneignung von Welt und ihre Symbolisierung, wie zeigt er sich als das Prinzip seines Weltbildes. Hannah Arendt beschreibt es in ihrem Buch 'Vita Activa' die Setzung sich als Mensch unter Menschen zu binden. 

Dieser gerichtete Augenmerk, die Wahrnehmung der Differenz, hat verschiedene Erscheinungsformen die durch unterschiedene kulturelle Systeme geregelt werden, wie z.B. Tanz, Theater, Performance Art, bildende Kunst, Musik, das ganze Spektrum der darstellenden Künste und das tägliche, öffentliche, als Gesellschaft erkannte Leben. 

Ein weiterer Augenmerk, der in jeder Aktivität immanent ist, ist seine Performance. Um sie geschehen zu lassen, gibt es einige Methoden, ich möchte sie Werkzeuge der begrifflichen und angewandten Form nennen, die den Raum und die Zeit sich begegnen lassen, sie, die Performance bildet sich in der Handlung, die Handlung läßt die Begegnung zu einem Bild werden, es erscheint 'Bild' und es ereignet sich Performance.( dieses Bild unterscheidet sich wesentlich von dem Bildbegriff, der der bildenden Kunst innewohnt). 

Handlungen, die so zum Bild werden sind in der menschlichen Aufmerksamkeit, in der menschlichen Kommunikation existentieller als Informationstransfer, Wissensaneignung, etc. Sie ist die Berührung zwischen den Menschen, der Ort wo wesentliche Ereignisse in der 'Mittlung' liegen. Die ontische Polis. 
Um nun von der allgemeinen Betrachtung zu gesonderter Untersuchung, zur Praxis der Differenz zu gelangen, haben wir ein Feld mit der Handlung geschaffen, die durch TheoretikerInnen und KünstlerInnen positioniert werden und das Feld zur Einsicht bringen. 

Aber all diese noblen Erkenntnisse, die des Künstlers, des Zenmönchs und des Propheten, können ganz bescheiden und profan gewonnen werden, wenn man nur mit genügender Geduld eine solch alltägliche Geste wie die des Pfeifenrauchens betrachtet. Dann sieht man nämlich, wie jeder von uns ein virtueller Künstler ist, und ein virtueller Zenmönch, und ein virtueller Prophet. Denn jeder von uns vollführt ja rein ästhetische, absurde Gesten vom Typ des Pfeifenrauchens. Allerdings kann man dann auch erkennen, was die meisten von uns von einem wirklichen Künstler, Zenmönch und Propheten unterscheidet: die völlige Aufgabe der Vernunft (im Sinn von Erklärbarkeit und Zweckhaftigkeit) und die rückhaltlose Hingabe in der Geste und an die Geste, welche das Wesen des wirklichen Künstlers, des wirklichen Zenmönchs, des wirklichen Propheten ausmachen. 

Zu Beginn dieses Essays lautete die Frage: Warum rauchen manche Menschen Pfeife, wo es doch ihre Freiheit einschränkt, wo es doch nichts leistet und wo es doch nichts mitteilt? Die erste auf diese Frage gebotene Antwort hieß: aus reinem Vergnügen an dieser Geste. Es ist nun möglich, diese Antwort etwas zu präzisieren. Manche Menschen rauchen Pfeife aus demselben Grund, aus dem manche Menschen Künstler sind, andere Mönche und wieder andere Propheten, nämlich um sich darin auszuleben und zu finden. Nur ist das Pfeifenrauchen weit weniger anspruchsvoll als die Gesten der Kunst, und noch weniger anspruchsvoll als die künstlerischen Gesten des Zenmönchs und des orthodoxen Juden - daher aber auch weit weniger offen-. So rauchen manche Menschen Pfeife als eine Art Ersatz und Karikatur, das heißt als Profanation eines rituellen Lebens. (Vlusser) 

In dieser Hinsicht ist die Besessenheit ein paralleles Phänomen zur Entstehung des Theaters im 16. und I7- Jahrhundert. Der Übergang vom mittelalterlichen Karneval zum Theater des 17. Jahrhunderts findet zu einer Zeit statt, als das Bild, das die Gesellschaft von sich selbst hat, sich lokalisiert, objektiviert und miniaturisiert, indem es aufhört, populäre Liturgie zu sein. Auf der kleinen Bühne der Besessenheit spielt sich eine Modifizierung erkenntnistheoretischer, politischer und religiöser Strukturen ab. Schließlich versuchte ich zu analysieren, wie die auf dieser Bühne in ein paar wenigen Jahren stattfindenden Verschiebungen den Wert eines Symptoms für den Kampf, der zur selben Zeit den ganzen Sozialkörper veränderte, erhielten. Loudun ist abwechselnd ein Metonym und eine Metapher, die es ermöglicht zu verstehen, wie eine "Staatsräson", eine neue Rationalität, die religiöse Vernunft ersetzt. 
Diese erste Studie mit dem Titel La Possession de Loudun versuchte, das diabolische Schauspiel als ein soziales Phänomen zu verstehen; sie untersuchte die Regeln, denen das Spiel der Personen in der religiösen, medizinischen oder politischen Sphäre folgte, sowie die Beziehungen, welche die Prozesse sozialer Akkulturation zu einer Logik des Imaginären unterhielten. 

Ein Diskurs des Anderen?
Jetzt möchte ich eine Frage untersuchen, die ich bisher beiseite gelassen habe und die ich zunächst unter das Zeichen einer Übertretung der Besessenen selbst stellen möchte: Gibt es in der Besessenheit einen "Diskurs des Anderen"? 

Anders ausgedruckt, mein erster Interpretationsversuch ließ einer Frage nicht genügend Raum, die dennoch am Horizont aufblitzte - d.h. gerade dem Diskurs der Besessenen, insofern als von diesem Diskurs gesagt wird, er werde von einem Anderen gesprochen." Ein anderer spricht aus mir": sagt die Besessene. Diese Frage konnte nur nach einer historischen Untersuchung des soziokulturellen Theaters, in dem sie auftaucht, behandelt werden. In der Beziehung der Akteure von Loudun muß man aber die Kombination zweier dissymetrischer Positionen noch genauer analysieren - die der Besessenen und die ihrer Richter, Exorzisten, Ärzte usw. 
aus: Michel de Certeau: Das Schreiben der Geschichte 

 Gedanken und Fragmente zu einer Kunst des Handelns 
Handlungen sind Derivate (abgeleitetes) erster Ordnung, die ohne über Kultur vermittelte Orientierung gar nicht erst zustande kommen. ... 
Als Aktion ist das Handeln primär narzisstisch. Der Mensch ist im Grunde ein Handelnder - die skandalöse Kontingenz des Bedeutungslosen: wir sind nicht gemeint. 

- Handeln heißt Tatsachen schaffen, eine Welt realisieren, Werte begründen ohne Relationen Suspendierung von Ethik (?) Vita Activa. 
- Verschiedene Typen des Handelns: 

Anfangen, Praktiken, Taktiken, Strategien, Infamie, poetisches Handeln, symbolisch, etc. 

- Handeln heißt bestimmen wollen, was geschieht. Alles Handeln nämlich geschieht in Räume hinein, wo bereits gehandelt wurde, in organisierte Räume mithin, von deren Organisation der Handelnde eine Vorstellung haben muss. 
- Denn soll moralisch gutes Handeln (?) Leben möglich machen, indem es den manifesten Ausbruch stets latenter Gewalt verhindere, bedarf es einer Vorstellung davon, wie in der vorfindlichen Gesellschaft Gewalt bis anhin gebunden wird, an die Vaterrolle beispielsweise in patriarchalischen Gesellschaften, die es entsprechend zu repräsentieren und zu würdigen gilt. Ein handlungs-anweisendes Bild der bestehenden Machtverhältnisse also ist den Sinnen mit der Aufforderung zu gutem Handeln zu liefern, und auch dies ist eine Funktion, die Religion ausübt, wie besonders die modernen Sozialwissenschaften seit Emil Durkheim betonen. 

Er nennt sie: ein System von Ideen, mittels dessen die Individuen sich ihre Gesellschaft und ihr Verhältnis zu dieser Gesellschaft vorstellen. 
Wie jedes soziale Handeln heißt auch erzieherisches Handeln: bestimmen wollen, dass das gute (Anziehende) geschieht, dass es mit anderen geteilt wird und dass es sich mitteilt, also bewusst geschieht. Aber die Polarität und Spannung des Zusammenlebens kann das Bestimmenwollen nicht aufheben. Je stärker es sich auffährt, desto stärker sind die Gegenkräfte, die es selbst hervorruft. Mit dem Anziehenden bringt es das Abstoßende, mit dem gemeinschaftlich Geteilten das Ungeteilte, mit dem bewusst Bewegten die verborgenen Gegenbewegungen hervor. Die Macht des Handelns bricht sich an der Widersprüchlichkeit der Werte, der Widersetzlichkeit der anderen, der Untergründigkeit des Beziehungslebens. 

Ihren stärksten Widerpart aber hat menschliche Macht in der Zeit. Jedes Bestimmenwollen gilt nur zum Zeitpunkt der jeweiligen Gegenwart. Es wendet sich damit ob von allem, was bisher geschehen und gemacht worden ist. Und es versucht, vorweg zu bestimmen, was geschehen und gemacht werden wird. Diese Anmaßung einer ständig vergehenden Gegenwart gegenüber einer andauernden und bestimmten Herkunft und einer unbestimmten Zukunft wird bestraft: Immer sind die Folgen des Bestimmenwollens anders als gewollt. 

 Jedes Tun ist Erkennen, und jedes Erkennen ist Tun
Handle stets so, dass die Anzahl der Wahlmöglichkeiten steigt. 
Wahrnehmung ist ein Erfinden, nicht ein Entdecken. 

 Handeln und Denken als Informationsverarbeitung

Wenn nun, wie wir behauptet haben, schon das Handeln Beziehungen stiftet, so impliziert es auch Informationsverarbeitung. Das ist offensichtlich wenn laufend der Mensch eine Vielzahl von raum-zeitlichen Gegebenheiten verarbeitet und dem Ergebnis durch seine Steuerungsmechanismen und Manipulationen Rechnung trägt. 

 John Newman 

(Palmerston North, Neuseeland) demonstrierte anhand von elementaren Begriffen wie sitzen und stehen, geben, nehmen, essen oder trinken, welche vielfältigen grammatischen Aufgaben diese Wörter in zahlreichen Sprachen übernehmen, wo sie beispielsweise Aktiv und Passiv markieren oder zur Unterscheidung dynamischer Abläufe und statischer Zustände dienen. In einigen Sprachen wird die ganze Welt durch Wortklassen in sitzende, stehende oder liegende Dinge eingeteilt. In solchen Verben schlagen sich elementare Körpererfahrungen, Bewegungen und Tätigkeiten nieder. Sie prägen auch kognitive Prozesse, was ihre Grammatikalisierung erklären könnte. Offen ist, warum diese Verben sich untereinander in ihren Flexions- und Wortstellungseigenschaften oft stark unterscheiden, obwohl sie gemeinsame Basisfunktionen verrichten. 

 Handlungs-Präfigurationen - Leibmetaphorik - Das Verbum als Wirkung.
Liegen, Sitzen, Stehen, Gehen, Hängen, Springen, Fallen, Binden, Tragen, Einverleiben, (Ausscheiden), etc. 
( tanzen, schau-spielen, hören und sprechen, sehen und blicken,..) 

 Begriffe die den Handlungsbegriff umgreifen.
Aufmerksamkeit, Autonomie, Behaviorismus, Blinder Fleck, Homöostase, Kognition, Lernen, Nervensystem, Neuron, Neuronale Einheitssprache, Neuronales Netz, Neurophysiologie, Realität, Retina, Selbstreferenz, Selbstregulierung, Solipsismus, Symbol, Verantwortung, Verstehen, Wahrnehmen ist Handeln, Wirklichkeit 
o Dazu dient ihm eine stark analytische. handlungsorientierte Semantik, die sich an FILLMORE orientiert, die aber auch physikalische Begriffe wie denjenigen der Kausalität. der Bewegung und der Transformation umfaßt. Die Leitvorstellung ist, hinter den natursprachlichen Sätzen eine "lnterlingua" (SCHANK 1975) von begrifflichen Strukturen anzunehmen, die sich aus elementaren Handlungen und Prozessen (z.B. antreiben / PROPEL. bewegen / MOVE. einnehmen / INGEST und ergreifen / GRASP) zusammensetzen. Aus diesen Elementen werden. zusammen mit den Handlungsteilnehmern. netzartige "Dependenzstrukturen" konstruiert, die die Bedeutung von Verben und Sätzen wiedergeben. 

 Wo es aber keine Handlung gibt, da gibt es keine Bewährung

Und wo das Denken handlungsfern verstanden wird, da geschieht es leicht, daß auch die Bewährung des Gedankens, die man die Verifikation nennt, nicht hoch im Kurse steht. Ja, man könnte radikal formulieren: Wo die Bewährung fehlt, da gibt es letztlich kein Wahr und Falsch. Denn wahr ist, was sich in der Handlung und im Denken bewährt. 
...Vielleicht gibt es in der Entwicklung des westlichen Denkens eine breitere und tiefere Verbindung zwischen christlicher und jüdischer Ausrichtung am Gesetz, zwischen dem Versuch, vor seinem Anspruch zu bestehen, und der Wahrheitssuche des Denkers und Wissenschaftlers, die spüren. daß sich auch ihr Denken vor dem Anspruch der Wahrheit bewähren muß. Wenn dem so wäre, so hätte ein Denken, das sich als handlungsfremd versteht, viel zu verlieren. Denn im Bereiche der Handlung ist Bewährung zuerst und für jeden sichtbar möglich und nötig. Ja, man käme zu der überraschenden Schlußfolgerung, daß es auf lange Sicht nicht die Orientierung an einem handlungsfreien, "reinen" Denken ist, die sein Wahrheitsstreben lebendig erhält, sondern im Gegenteil ein Denken, das sich ständig in Handlung übersetzt - als Experiment und als Anwendung - weil in dieser die Bewährung und damit die Wahrheit am lebendigsten und konkretesten sichtbar wird. 

Damit ist auch gesagt, daß eine solche Sicht des Verhältnisses von Handlung und Denken die Würde des letzteren keineswegs mindert und keinem Relativismus der Beliebigkeit verfällt: Wir sehen im Handeln ein Streben nach Ordnung und Struktur, das sich im Denken in reinerer Form fortsetzt. So ist das Handeln auf ein Ziel der Transparenz und der Ordnung hin angelegt. Das Streben nach ihm motiviert den Handelnden und den Denker, denn wo Ordnung ist, da ist Leben; Verwirrung und Chaos bedeuten Tod. Hans Aebli - Denken: Das Ordnen des Tuns 

 Eine der wichtigsten theoretischen Leistungen BARTLETTS 

ist es, den Schemabegriff geprägt zu haben, einen Begriff, der für die Handlungstheorie hoch bedeutsam werden sollte. Das Schema ist nämlich die Einheit, aus der sich Handlungen aufbauen. BARTLETT beschreibt es so: 
"Unter einem Schema verstehen wir eine aktive Organisation von vergangenen Reaktionen oder vergangenen Erfahrungen, von der wir annehmen, daß sie in jedem gut angepaßten Organismus wirksam ist. D. h.: Schon bei der geringsten Ordnung und Regelhaftigkeit des Verhaltens ist eine bestimmte Reaktion möglich, weil sie zu anderen, ähnlichen. in Beziehung steht. Diese sind seriell organisiert, wirken jedoch nicht einfach als unabhängige Glieder, eines nach dem anderen, sondern als eine einheitliche Masse. Über die Schemata beeinflussen uns die Reaktionen und Erfahrungen der Vergangenheit. Alle hereinkommenden Impulse einer bestimmten Art oder einer bestimmten Sinnesmodalität bilden zusammen eine aktive, organisierte Ordnung' (BARTLETT 1932. 201, Übersetzung des Verfassers).
 
Unmittelbar anschließend an das hier wiedergegehene Zitat spricht BARTLETT zudem von verschiedenen Niveaus der Organisation, also der hierarchischen Ordnung der Schemata. In diesem Zitat teilt BARTLETT dem Verhaltensschema also die folgenden charakteristischen Züge zu: 1) In den Schemata sind die vergangenen Reaktionen eines Organismus als aktive Organisation, also in gestalteter, strukturierter Form, lebendig.
2) Schemata sind innerlich gegliedert: Die konstituierenden Reaktionen stehen untereinander in spezifischen Beziehungen. 
3) Diese Struktur sichert die Ordnung und die Regelhaftigkeit des Verhaltens und damit seine Anpassung an die Umwelt. 
4) Die Schemata enthalten einesteils Ordnungen der Abfolge von Teilhandlungen, über diese hinaus aber Beziehungen der Koordination, die das Schema als Ganzes wirksam werden lassen. 
5) Auch die Handlungsimpulse haben ihre Gestalt. die Ergebnis einer ordnenden Aktivität ist. 
 
 BARTLETTS Wissenstheorie 
ist in seinem Werk nicht explizit durchgeführt. Implizit jedoch enthält sein Schemabegriff auch ein Konzept des Wissens. Das Schema ist der Niederschlag vergangenen Handelns. Es ist ein Element des Handlungswissens. Die Gesamtheit der Schemata. über die ein Mensch verfügt, stellt sein Handlungsrepertoire, seine Handlungskompetenz dar. Dabei ist es dem Menschen möglich, frei über die Elemente der Schemata ebenso wie über diese als Ganze zu verfügen: der Mensch muß lernen, seine Schemata in Elemente aufzulösen und darüber hinauszukommen, diese Elemente immer in der alten Ordnung zu reproduzieren. Und er tut es auch, denn er lernt, die konstituierenden Teile seiner eigenen Schemata anzuwenden, und sich in seinen Handlungen nicht bloß durch die Natur der Schemata, die als unveränderliche Einheiten fungieren, bestimmen zu lassen. Er lernt, seine eigenen Schemata zu reflektieren - eine Leistung, die durch das Bewußtsein, im exakten Sinn des Wortes. möglich wird. und die dem Bewußtsein seine überragende Rolle verleiht" (BARTLETT 1932, 301. Übers. d. Verf. )
 
 ...TUN 

Tun ist also absichtsvolles. zielgeleitetes Verhalten. Von CRANACH (1980) hat es jüngst wieder hervorgehoben. Dabei muß man allerdings sofort eine Einschränkung anbringen. Die Mittel, mit deren Hilfe er seine Ziele erreicht, setzt der Mensch häufig nicht bewußt ein. Man kann es auch anders sagen: Die Teil- und Zwischenziele seines Tuns und damit die Mechanismen seines Verhaltens sind dem Menschen häufig nicht bewußt. So braucht man ihn nur zu fragen. wie er eigentlich die Sätze seiner Rede konstruiere, oder wie er es anstelle, von einem Stuhl aufzustehen, um die fast vollständige Unkenntnis der Mechanismen des eigenen Verhaltens zu erkennen. Ja, BINET (1922) ist so weit gegangen, sogar das Denken als eine unbewußte Tätigkeit zu bezeichnen. Er wollte damit sagen. daß wir in unseren Denkprozessen zwar die hauptsächlichen Ziele kennen, daß uns die Schritte unseres Vorgehens und die sie leitenden Teilziele jedoch nicht bewußt sind. Diese geringe Bewußtheit der Teilvorgänge besteht insbesondere im Bereiche der Tätigkeiten, die stark in der Körperorganisation verankert sind, und im Bereiche der Automatismen. Ein Beispiel der ersteren sind die Wahrnehmungsvorgänge: Zwar wissen wir in der Regel sehr genau, was wir suchen oder betrachten, aber wie wir das tun, können wir nicht sagen. Ebenso bei einem Automatismus wie z. B dem Tanzen oder dem Nachsprechen eines Satzes: Das Wie unseres Vorgehens können wir nicht beschreiben. Wir sprechen in diesen Fällen von Tätigkeiten: von Wahrnehmungstätigkeiten und von automatisierten Tätigkeiten, in Anlehnung an den Sprachgebrauch der Physiologen und der Marxisten. 
Gelegentlich ergibt sich die Notwendigkeit. von abgegrenzten Einheiten des Tuns zu sprechen. Wir verwenden dazu den Begriff des "Aktes, der an Aktivität, Tätigkeit erinnert. Ein Akt wäre daher das abstraktere Gegenstück zum Handlungsschema, der abgegrenzten Einheit des Handelns. 

Hull

Nun ist das vorliegende Buch alles andere als behavioristisch ausgerichtet; trotzdem ist es angebracht, daß wir uns fragen. was HULL zur Handlungs- und Wissenstheorie beigetragen hat. Man wird dabei erkennen, daß wir bei aller Ablehnung seines Atomismus mit ihm eine konstruktivistische Grundhaltung teilen, die wir hei "näheren Verwandten" wie z. B. der Gestaltpsychologie schmerzlich vermissen. Um HULL gerecht zu werden, muß man sein Erkenntnisinteresse verstehen. Es ist ganz dasjenige HUMEs: 
...Die komplexen Erscheinungen des Verhaltens mit einer gesunden Skepsis zu betrachten und sich zu fragen. oh sie nicht aus einem einzigen Typ von einfachen Elementen aufgebaut und ob nicht auch ihre Verbindung gemäß einem einzigen Prinzip erklärbar sei. Die einfachen Elemente des Verhaltens sind bei HULL Reiz und Reaktion. Das verbindende Prinzip ist wie hei HUME die Assoziation. Angesichts der Tatsache, daß auch die einfachen Elemente zwei Teile umfassen, spricht HULL manchmal bildlich und in Analogie zur Chemie von molekularen Einheiten. Das Paradigma des Verhaltens ist damit der Reflex, die Auslösung der Reaktion durch einen oder mehrere Reize. HULLS System ist damit vorerst reduktionistisch. Verhalten ist nichts anderes als eine Abfolge von Reizen und Reaktionen. In einem zweiten Schritt jedoch. dann, wenn er zu zeigen sucht, wie aus den einfachen Bausteinen komplexe Verhaltensabläufe entstehen, wird HULLS impliziter Konstruktivismus sichtbar. 

Rituale, Leib und Umwelt, 

Leib und die Elemente, der Andere, Körper und Medien 

Körper und die Sinne, Das Bild, Die Skulptur, Der Körper als Einrichtung, der Körper als Metapher, 
 

 Literatur 

Fragenkatalog zu der ersten Performance Konferenz 


Siegfried Schaarschmidt, Hagakure - Yukio Mishima - Zu einer Ethik der Tat - Samureilehre, Hauser -Verlag. 
Hannah Arendt - Vita Activa.
Nummer 4/5 Theorie des Handelns als Infamie Seite 85 - 100. 
Frankfurter Hefte 1993/5/459. 
Spuren 11/12 Seite 49-56. 
Spuren 34 /der Performative Charakter an den Begriffen Hand, Arme, Reiche S. 11-13 und Seite 36-40. 
Spuren 37 Seite 51-56. 
Spuren 39 
Lettre 28 Seite 48-55. 
M.Certeau. Kunst des Handelns Seite 77-97, 117-122, 151, 163, 171-173. 
W.Benjamin Passagen I Seite 23, 277, Gesamt Band I Seite 403-404. 
Theodor Lessing - Philosophie der Tat. 
Material Black Market International. 
Richard München - Theorie des Handelns STW. 704 
Hans Aebli. Denken: Das Ordnen des Tuns 
Fritz Mauthner. Die Substantive Welt. Die Adjektive Welt. Die Verbale Welt 
Jerzej Grotowski. Der Performer in " Der Sprechende Körper" Texte zur Theater Anthropologie 
Günter Figal.- "Für eine Philosophie von Freiheit und Streit". Politik - Asthetik - Metaphysik. Verlag J. B. Metzler, Stuttgart 
Stephan Wyss, Das Quaken der Frösche. 
Magazin Springer Band 1 - Heft 1. + Band 1 - Heft 4 
Ulrich Charpa. Wissen und Handeln" - Grundzüge einer Forschungstheorie. J.B. Metzler Verlag